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Fun Regatta BODRUM RACE WEEK

 

Regattebericht RACE WEEK BODRUM - Samstag bis Samstag -

Der erste Regattatag beginnt mit einer dunklen Wolke über Karaada, der Bodrum vorgelagerten Insel. Doch schon zum Skipper-Briefing reißt der Himmel auf und ägäisches Blau erstrahlt über dem Hafen und den weißen Häusern am Hang. Der Wetterbericht sei gut, man rechne mit nördlichen Winden zwischen 4 und 6 Beaufort, teilt die Regattaleitung mit. Auf einer Tafel sind der Küstenverlauf und der zu segelnde Kurs aufgezeichnet.Kurz vor dem Start erklärt Skipper Jon im Cockpit der "Centurion", einer Gib Sea 422, seiner Freundin Rachel und Barry, der als Gast auf dem Schiff des englischen Paares mitsegelt, schnell noch mal Regeln und Kurs. Wo ist die beste Position für den Start? Was passiert, wenn man zu früh über die Linie schießt? Soll man protestieren, weil die da drüben noch die Nationale im Achterstag fahren? Fragen über Fragen. Die wichtigste stellt schließlich Rachel: "Coffee or tea, Sir?" Als praktisch denkende Frau ist sie dafür, dass noch mal kräftig aufgeputscht wird, bevor es losgeht. Draußen weht der Wind aus Nordwest mit 4 Beaufort. Um 10.50 Uhr wird auf dem Regattaschiff, einer großen Gulet, die Startflagge für die Kats vorgehißt. Um Punkt 11 Uhr rauschen zuerst die Zweirumpfer über die Linie, die anderen Klassen folgen im Zehn-Minuten-Takt. Die Idee von Jon, kurz vor dem Startsignal an den Wind zu gehen, die Genua killen zu lassen, um dann sekundengenau über die Linie zu rauschen, ist super. Nur leider haben andere das Gleiche vor. So kommt die "Centurion" im Gewühle und Gebrülle nicht gleich auf Trab und passiert als siebtes von 17 Booten die Linie. Auf dem ersten Stück nach Turgutreis holt sie zwar auf, liegt eine Zeit lang auch ganz gut, fällt dann aber wieder zurück. Als es um die Ecke geht, kommt den Yachten aus der Straße von Kos eine steile See entgegen. Beim Aufkreuzen krachen die Schiffe hart in die Welle. Nach zwei Stunden und 29 Minuten haben es Jon, Rachel und Barry geschafft. Als Neunte passieren sie vor der Dogus-Marina in Turgutreis die Ziellinie. Andere Crews hatten weniger Glück. Im schmalen Kanal zwischen der türkischen Küste und Kos hatte Poseidon noch ordentlich eins draufgelegt - 7 Windstärken, später noch mehr, pfiffen den Seglern entgegen. Auf der "Impuls", einer Dufour 38, kam in dieser extremen Düse der Mast von oben. Wenige Minuten später - fast an derselben Stelle - erwischte es eine der türkischen Yachten. Ebenfalls Mastbruch. Abgesehen vom zerstörten Rigg kamen beide Yachten mit demolierter Reling und eingedrücktem Bugkorb davon. Verletzt wurde niemand. Angesichts solch rauer Bedingungen ist Michael Steinacker besonders stolz auf seine Crew. Er ist mit "Steini", dem kleinsten Boot, einer Bavaria 30, dabei. Mit an Bord sind neben dem Skipper drei Frauen: Gattin Brigitta sowie die Töchter Valerie (12) und Alice (8). Die Familie aus dem Sauerland schafft es auf Platz elf. Die vier sind ein eingespieltes Team. Regattaerfahrung haben sie schon beim Dodecanes Cup gesammelt. Alice, die jüngste, erklärt zwar, dass ihr glattes Wasser lieber sei zum Segeln. Doch wenn es mal wellig würde, ginge das auch in Ordnung. Brigitta Steinacker, Lehrerin an einem Gymnasium, sieht auch den pädagogischen Aspekt der Veranstaltung. Viel mehr Familien sollten ihrer Meinung nach an Fun-Regatten teilnehmen. "Das fördert den Zusammenhalt." Zudem fühle sie sich unterwegs sicherer, da immer jemand in der Nähe sei. Und in den Etappenhäfen bräuchte man sich um so gut wie gar nichts selbst zu kümmern, da die Organisatoren in der Regel alles bestens vorbereiteten. Vor allem Letzteres wird am nächsten Tag deutlich. Der steht ganz im Zeichen des Griechenland-Besuchs. Bei einer gutmütigen Brise zwischen 3 und 4 Beaufort und strahlend blauem Himmel segeln die Yachten unter Spinnaker oder Schmetterling zurück zur Straße von Kos. Von dort geht es in Halbwind-Schlägen mehrmals über die Enge, bis das Ziel vor der Kos-Marina erreicht ist. Beim Einlaufen in den Hafen dann die große Überraschung: Wo ausländische Skipper normalerweise eine zeit- und nervenzehrende Runde bei Passpolizei, Hafenmeister und Zoll absolvieren müssen, sind für die Regatta-Teilnehmer keinerlei Formalitäten erforderlich Die Race-Week-Flagge am Achtersteg und die griechische Gastlandflagge unter der Saling genügen. Die Crews können sich ohne Einschränkungen frei bewegen. Für die meisten steht zunächst ein Stadtbummel auf dem Programm. Man will schließlich auch ein wenig von Land und Leuten kennen lernen. Nach Sonnenuntergang treffen sich dann alle zum Sirtaki-Abend. Die Kos-Marina zelebriert griechische Gastfreundschaft. Das Büfett biegt sich unter den vielen, landestypischen Speisen, dazu gibt es reichlich Wein und Ouzo. Später erklingt Busuki-Musik, und als die Stimmung ausgelassener wird, tanzen Griechen und Türken Arm in Arm. Vergessen sind die Spannungen, die es zwischen beiden Ländern noch bis vor kurzem gab. Und als am Ende Jannis Kourounis, der Manager der Kos-Marina, verkündet, dass in Griechenland die umstrittene Einreisesteuer endlich aufgehoben sei, kommt bei den Seglern Jubel auf. Der dritte Tag beginnt mit schlagenden Fallen, grauem Himmel und Nordwestwind um 6 Beaufort. "Bis zu 7 Windstärken sind angesagt," heißt es beim Skipper-Briefing. Schon beim Start ist der Starkwind da und sorgt für mächtig viel Wirbel. Unter anderem gehen zwei der vier Kats von der falschen Seite über die Linie. Das Komitee ordert sie über Funk zurück, doch der Ruf bleibt im Pfeifen des Windes ungehört. Die Boote sprinten in Richtung türkische Küste und verschwinden rasch aus dem Blickfeld. Auf der "Double Happiness" geht es für Kurt, Horst, Werner, Martin und Frank am vorletzten Tag um Platz vier. Ihre Sun Odyssey 40 ist wahrlich kein Racer, aber: "Länge läuft bekanntlich," ist Segellehrer Frank optimistisch. Schwer zu schaffen macht den Fünfen eine schwarze Dehler 38. Während des Dreieckskurses, der mehrmals abzuspulen ist, liegen sie  vor ihr. Doch auf der letzten Kreuz wird es eng. "Segel dicht! Klar zur Wende!", kommen die Kommandos vom Skipper. Doch es hilft nichts. Der Konkurrent ist durch, die Männercrew muss sich mit Platz fünf begnügen. "Kann sich trotzdem sehen lassen", tröstet Kurt die Mitstreiter. An der Platzierung soll sich nichts mehr ändern. Am letzten Tag kreuzen die Yachten durch die aufgewühlte See und warten auf den Start. Stattdessen gehen auf dem Regattaschiff jedoch die Signalflaggen für Abbruch hoch. Eine Stunde später stürmt es mit 8 aus Südost. Am Nachmittag setzt Regen ein, zum ersten Mal seit Mitte Mai. Die Siegerehrung findet unter dem tropfnassen Vordach des Bodrumer Yacht Clubs statt. Originelle Pokale werden überreicht. Und Roman, der Einhandsegler aus München, auf seiner selbstgebauten "Naja", Langsamster aller Klassen, erhält unter tosendem Beifall eine Flasche Sekt. 
Ein letztes Mal wird ausgiebig gefeiert. Dann kann er kommen, der Winter.

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